Thema: Beschneidung

Achtung! Dieser Artikel beinhaltet Bilder von Geschlechtsteilen, Operationen und weinenden, verletzten Kindern.

Beschneidung: Was ist das überhaupt?

Bei der Beschneidung (med. „Zirkumzision“) handelt es sich um das operative Entfernen der Vorhaut vom männlichen Penis. Diese wird heutzutage entweder aus religiös motivierten Gründen, oder infolge einer nicht behandelbaren Vorhautverengung (med. „Phimose“) durchgeführt. Rund ein Drittel aller Männer weltweit sind beschnitten, vorallem in Nah-Ost, den USA und Afrika.

[important]Die Beschneidung ist noch heute, bedingt durch ihren religiösen Status, eine der weltweit am häufigsten durchgeführten Eingriffe.[/important][pullquote align=“right“ textalign=“left“ width=“30%“]„Aus chirurgischer Sicht war der Eingriff gut verlaufen. Doch ich erlebte in den Tagen danach heftige Schmerzen. Ich frage mich bis heute, wie Erwachsene es verantworten, dass sogar neugeborene Jungen diese Schmerzen durchleben müssen. Wer sagt, das es nicht wehtut, sollte einmal versuchen, in den Tagen nach dem Eingriff auf dem Bauch zu schlafen. Auch das Pinkeln war nicht gerade lustig – allein meinen Penis zu halten war schmerzhaft. Ich konnte damit umgehen. Aber Kinder? Muss das sein?„[/pullquote]

Was genau ist die Vorhaut und was tut sie?

Die Vorhaut ist die über der Eichel befindlichen Haut, welche diese vor äußeren Einflüssen und Reizen schützt. Dabei ist die Haut jedoch nicht eine die über jener der Eichel liegt, sondern es ist die Haut der Eichel. Die Eichel selbst ist ein inneres Organ welches nur eine äußerst dünne Schutzschicht über den Nervenenden und dem Gewebe besitzt.

Die Vorhaut versorgt die Eichel ebenso mit Feuchtigkeit, dem sogenannten Smegma, damit diese stehts befeuchtet ist und die Oberfläche nicht austrocknet oder verhornt.

Anders als häufig behauptet, besitzt die Vorhaut selbst ein weitreichendes Nervensystem. Die aktuellen Schätzungen sind sehr vage und liegen zwischen „20 bis 70% aller Nervenenden des Penis“ – Fakt ist jedoch, das die Vorhaut tausende Nervenenden besitzt. Nicht nur deswegen ist sie beim Geschlechtsverkehr von Relevanz. Die Eichel enthällt nämlich nicht bloß berührungsempfindliche Nervenenden, sondern auch druckempfindliche welche tiefer liegen. Diese werden, im Zusammenspiel mit den Nervenenden der Vorhaut, von dieser während des Geschlechtsverkehrs massiert, welche das Lustempfinden intensivieren.

Ein Ausschnitt aus dem taz.de Artikel „Beschneidung mit 18 – Im Bett mit und ohne“:

Die physischen Wahrnehmungen beim Sex wandelten sich, sie wurden lokaler. Es ist schwer zu erklären – als ob nicht mehr mein ganzer Körper im Spiel, eine große Freude verschwunden war. Leitungswasser statt Springbrunnen. Aber das ist noch nicht alles. Weil die Eichel nun ungeschützt war und ich weniger reizbar, war der sanfte, langsame Sex von da an Geschichte.

Die aktuellste Studie über die Penissensibilität stellte fest, das ein intakter Penis ungefähr vier mal empfindlicher ist als ein beschnittener. (Quelle: Beschneidung-von-jungen.de)

Wie wird der Eingriff durchgeführt?

Operative Entfernung der Vorhaut. Quelle: wikimedia.org

Neben der operativen Methode (siehe links) gibt es heutzutage noch weitere Methoden, welche ohne operativen Eingriff die Vorhaut möglichst Schmerzarm abtrennen oder absterben lassen soll. Die am weitesten verbreitete Methode ist hier vermutlich die Plastibell Vorrichtung, wobei zwei glockenförmige Plastikstücke jeweils innen- und außen um die Vorhaut angelegt werden. Dann wird hinten um das äußere Stück eine Schnur festgebunden, um das Gewebe zu strangulieren. Die Vorhaut stirbt und fällt innerhalb von 2 bis 7 Tagen ab. Bei nicht fachgerecht ausgeführtem Verfahren kann es zum vollständigen absterben der kompletten Penishaut kommen.

Neben diesem gibt es noch einige andere Instrumente, welche das Verfahren vereinfachen sollen, wie bspw. den Circumstraint – ein kleiner Stuhl um das Baby zu fesseln. Unnötig zu erwähnen das die kleinen sich dagegen wehren; Dennoch werden immernoch mehr als 85% aller Babys vollkommen ohne Betäubungsmittel beschnitten und sogar operiert.

–> Weitere Vorrichtungen

Empfindlichkeit des Penis mit und ohne Vorhaut. Quelle: Beschneidung-von-jungen.de

Vor-/Nachteile der Beschneidung

Die am häufigsten wiederholten Vorteile einer Beschneidung sind unter anderem ein besserer Schutz vor Infektionen, ein geringeres Risiko bei Geschlechtskrankheiten, Schutz vor Harntraktsinfektionen, vor Peniskrebs, vor Gebährmutterhalskrebs bei der Partnerin, vor Eichelentzündungen, bessere Hygiene.

Dies ist, gelinde gesagt, größtenteils Aberglaube; geschührt durch Religiöse Gruppierungen und einer vorallem US-amerikanischen Ärzteindustrie, die nach dem irgendwann nicht mehr funktionierenden Selbstbefriedigungsverhinderungsgrund neue Begründungen suchten.

Michelle R. Storms:

Männer haben das gleiche Risiko Humanpapillomavirus-Läsionen zu erleiden und an Herpesvirus-Infektionen zu erkranken, unabhängig von ihrem Beschneidungs- bzw. Vollständigkeitsstatus. Mindestens vier Studien haben dagegen gezeigt, dass Humane Immundefizienzvirus-Infektionen häufiger bei beschnittenen Männern auftreten.“ (Quelle),

Edward Wallerstein:

„Wenn die Säuglingsbeschneidung den Peniskrebs reduzieren würde, könnten wir erwarten verhältniswenig wenige [Fälle von] Peniskrebs in den beschneidenden Nationen verglichen mit den nicht-beschneidenden Völkern vorzufinden. Kein solcher Unterschied lässt sich feststellen.“ (Quelle: Circumcision: „An American Health Fallacy“)

 

University of Aberdeen:

„Die Ergebnisse belegen nicht die Theorie, dass Frauen, deren Ehemänner beschnitten sind, mit geringer Wahrscheinlichkeit an Cervixkrebs erkranken, als diejenigen Frauen, deren Ehemänner unbeschnitten sind. Damit stimmt diese Studie mit den Befunden von Jones et al. (1958), Dunn und Buell (1959), und Boyd und Doll (1964) überein.“ (Quelle: Circumcision and cancer of the cervix. University of Aberdeen, Dept. of Obstetrics and Gynaecology. British Journal of Cancer, Vol. XIX, Jun, 1965, No. 2:“)

Auch das Argument bezüglich Hygiene ist hinfällig; dies sollte allerdings in anbetracht dessen, das die Vorhaut extra dafür da ist um die Eichel zu schützen, klar sein (Denn in der Natur hat alles irgendeine Funktion, unnütze Dinge sondert die Evolution aus. Auch Mandeln oder der Wurmfortsatz des Blinddarms haben wichtige Funktionen). So wie Speichel beinhaltet das Smegma, welches sich zwischen Eichel und Vorhaut bildet, wichtige Inhaltsstoffe:

„Chemisch enthält Smegma immunologisch aktive Verbindungen wie etwa Cathepisin B, Lysozyme, Chymotrpysin, neutraphile Elastase,[13] Zytokine,[13] Hormone und Adrosteron.[14] Lytische Stoffe wie etwa Lysozym, die vermutlich aus der Prostata und der Bläschendrüse stammen,[9] zerstören die Zellwände von Bakterien und behindern und zerstören Candida-Spezies[=Hefepilze].[15]“ (Quelle: Beschneidung-von-jungen.de)

Meine Meinung

Schreiendes Baby während einer Beschneidung ohne Schmerzmittel.

Ich habe das Thema Religion in diesem Beitrag vollkommen außenvorgelassen, das es hier nur um die Beschneidung und dessen Bewertung ging. Dies ist die einzig wichtige Messlatte für das Wohl eines Kindes, Religion ist im Falle einer Kontraindikation vollkommen irrelevant. Denn wenn erwiesen ist das etwas schädlich ist ändert daran weder kollektiver Aberglaube, noch ein jahrtausendealtes Buch etwas.

Leider hat sich die Beschneidung ansich durchgesetzt, obwohl es längst Therapien für bspw. Vorhautverengung gibt (unterschiedliche Salben, Denhäubchen und eine Vorhauterhaltende OP). Wirklich nötig ist sie nur in medizinischen Extremfällen.

Die Beschneidung ist, meiner Meinung nach, ein längst überholtes relikt aus vergangenen Zeiten. Es gibt zahllose Studien welche alles widerlegen was die Befürworter einem immer wieder auftischen wollen, doch diese werden professionell ignoriert. Und seien wir mal ehrlich: Keiner von uns kann es verleugnen, das wenn einem als Baby, wo man psychisch und körperlich vollkommen schutzlos ist, meistens ohne Betäubung ein Körperteil amputiert wird, es mit hoher Wahrscheinlichkeit sicher ist das diese Person später psychische Probleme haben wird. Und auch als jugendlicher ist dies nicht einfacher zu verdauen.

Selbst wenn es unter Vollnarkose mit bester medizinischer Behandlung passiert – es zeigt einem Kind religiöser Eltern eines: Das es keine Kontrolle hat, das es einem fiktivem Wesen wehrlos ausgeliefert ist. Das Gefühl geschützt zu sein, der Glaube an eine wohlwollende Welt wird damit vollkommen untergraben und im Kern gestoppt. Denn schließlich wollen Religionen auch nicht das man sich zu wohl fühlt, das könnte zu unangenehmen Spekulationen und Freidenkerischem Verhalten führen. Denn sie wollen nur eines: Das sich das Individuum einer allesumfassenden Doktrin unterwirft, das sie indoktriniert sind. Und das mit der Unterwerfung muss schon in früher Kindheit geübt sein.

 

Quellen:

wikipedia.de

beschneidung-von-jungen.de

taz.de

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