Antidepressive Erfahrungen

Bei jedem wirken Antidepressiva anders! Die hier von mir beschriebenen Nebenwirkungen und Wirkungen mancher Mittel müssen so in keinster Weise auch bei euch so eintreffen. Dies sind lediglich meine Erfahrungsberichte. Wenn ihr selbst mit Depressionen kämpft, versucht euch die Nebenwirkungen hier nicht zu bunt – bzw. zu schwarz – vorzustellen. Es klingt beim lesen vermutlich schlimmer als es für mich war.

Cipralex / Escitalopram

Dieses Medikament gehört zu den SSRI und somit zu der modernsten Klasse der Antidepressiva. Leider braucht es wie die meisten Antidepressiva Wochen um richtig zu wirken. Eine erste Besserung hatte ich nach 2 Wochen, eine wirklich stabile Verbesserung in der 4. bis 5. Woche. Meiner Erfahrung nach braucht es dafür nicht viel – bei leichten Depressionen reichen 5 bis 10mg, was einer halben bis ganzen Tablette entspricht.

In den ersten 2-3 Wochen waren die Nebenwirkungen unangenehm, aber aushaltbar. Vorallem leichte Übelkeit und Kopfschmerzen hatte ich, wo ich aber im zweifelsfalle gut mit Iberogast und Ibuprofen gegensteuern konnte. Und wie beinahe jedes Antidepressivum nahm ich durch dieses gut 10 bis 15kg zu. Das ist leider bei den allermeisten dieser Medikamente so. Was jedoch für mich am unangenehmsten war, war das Gefühl von Depersonalisierung welches ich schon 24 Stunden nach der Einnahme bekam. Ich fühlte mich nicht mehr so richtig wie ich selbst, was natürlich fürchterlich in die Angstkerbe schlug die ich sowieso vor solchen Medikamenten hatte.

Die positivste Wirkung war, das ich mich nach wenigen Wochen wirklich stabilisiert fühlte. Außerdem bekam ich mit diesem Medikament auch meine psychosomatischen Schmerzen besser in den Griff, was wohl das mit Abstand beste war. Was die Stimmung angeht bin ich mir bis heute unschlüssig – durch Cipralex fühlte ich mich zwar nicht mehr so down, die Stimmung konnte allerdings auch nicht „richtig gut“ werden. Mir kam es ein wenig vor wie Audionormalisierung (wer erfindet sowas?) – nie wirklich laut, aber auch nie wirklich leise. Im allgemeinen war es zur Stabilisierung aber nicht schlecht.

Trimipramin

Im allgemeinen bin ich diesem Medikament eher abgeneigt. Ich schätze es jedoch für zwei Qualitäten: Zum einen hilfts beim (ein-)schlafen. Zum anderen hilft es sehr gut gegen psychosomatische Schmerzen. Für letzteres muss man entsprechend höher dosieren.

Von der Chemie her gehört Trimipramin zu den älteren trizyklischen Antidepressiva und hat somit mehr Nebenwirkungen als bspw. Cipralex, jedoch nicht so viele wie „die schlimmsten“ da es bereits zur zweiten Generation zählt.

Die Nebenwirkungen waren für mich sehr moderat. Anfangs ein wenig Übelkeit und Kopfschmerz, das Übliche also. Inzwischen habe ich keinerlei Nebenwirkungen mehr, dafür hilft es aber sehr gut gegen die oben beschriebenen Probleme.

Tianeptin (Tianeurax)

Das einzige Antidepressivum was ich bisher hatte, was innerhalb weniger Stunden wirkte. Das kommt daher, das dieses Medikament dopaminerg wirkt – also die Aufnahme von Dopamin steigert, welches im allgemeinen als „Glückshormon“ bezeichnet wird. Dadurch wirkt es schnell Stimmungsaufhellend und Antriebssteigernd. Nebenwirkungen hatte ich keine – nichteinmal als ich es binnen 3 Tagen einfach absetzte.

Man muss allerdings auch mehr auf sich achten: Durch seine Wirkung hat es als häufige Nebenwirkung Anorexie – also krankhaftes Untergewicht / Magersucht. Der Appetit wird sehr gezügelt. Das ist auf der einen Seite zwar für viele nicht so schlecht, da es als „Sehr häufige Nebenwirkung“ (min. 1 von 10 Personen) gekennzeichnet ist muss man allerdings höllisch aufpassen.

Außerdem habe ich die Wirkung zum Teil auch als „psychotisierend“ erlebt. Tianeptin wirkt nämlich nicht nur Antriebssteigernd, sondern auch psychomotorisch antreibend. Wer also unter starken Grübelleien leidet oder gar zu Psychotischen Phasen neigt sollte es vielleicht vorerst mit etwas anderem versuchen.

Amitriptylin

Ami zählt zu den ältesten Antidepressiva und hat eine erlesene Auswahl von möglichen Nebenwirkungen – im Grunde beinahe allen die man sich so ausdenken kann. Dafür hilft es jedoch auch gegen alles ein bisschen, wenn man ersteinmal die ersten Wochen durch hat und sich der Körper auf den Wirkstoff eingestellt hat.

An Nebenwirkungen zählte ich insgesamt 12, von pelziger Zunge bis schweren Magendarmkrämpfen und Kreislaufschwäche. Allerdings scheine ich das Medikament schlichtweg nicht gut zu vertragen, darum bin ich nicht unbedingt ein gutes Beispiel. Dennoch nutze ich es, da ich seine lockernde Wirkung sehr schätze. Ich kann seit langem mal wieder richtig weinen, was eine wahre Wohltat ist. Die erste Wirkung stellte sich bereits binnen weniger Tage ein, bis sich der Körper richtig eingestellt hat braucht es aber auch hier 2-4 Wochen.

Seite 1: Antidepressive Mythen

Seite 2: Erfahrungswerte

Seite 3: Schlusswort

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One comment

  • jatenk on 20. August 2016 at 15:24 said:

    Kleine Erweiterung meinerseits:

    Cipralex hat bei mir beim Sex brutale Kopfschmerzen verursacht. So schlimm, dass ich kaum noch gehen konnte. 15 mg hatte ich genommen und es dann abgesetzt.

    Escitalopram hat auch bei mir eine Stimmungserhöhung verursacht – aber sie fühlte sich einfach nicht echt an. Also habe ich auch das abgesetzt.

    Momentan bin ich auf:
    Abilify. Das ist kein Antidepressivum, sondern ein atypisches Neuroleptikum. Es wird gegen die manischen Phasen von bipolaren Störungen verschrieben, die ich nicht habe, doch allgemein hilft es dabei, die Gedanken zu beruhigen. Und das schafft es großartig. 15 mg ist zu viel, aber mit 10 mg täglich bin ich sehr zufrieden. Zuvor bin ich durch meinen Todesschwall an Gedanken täglich abgestürzt, jetzt noch eher so alle 1-2 Wochen, je nach Auslastung.

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