Mein Reizdarmsyndrom und ich

Das Reizdarmsyndrom (bzw. „Reizmagensyndrom“) ist so eine Sache in unserer Gesellschaft, die zwar extrem viele Menschen betrifft, jedoch kaum thematisiert wird. Da ich in den letzten 3 Jahren einiges über diese Thematik erfahren habe – zwangsläufig, da es mich selbst betrifft – und ich von immer mehr Leuten hörte denen es auch so geht möchte ich hier mal zusammenfassen, was ich darüber inzwischen weiß. Vielleicht hilft es der ein oder anderen Person.

Wikipedias Definition des RDS lautet:

Symptome des Reizdarmsyndroms sind Schmerzen oder Unwohlsein im Bauchraum zusammen mit einer Veränderung in den Stuhlgewohnheiten unter Ausschluss einer strukturellen oder biochemischen Ursache. Eine erhöhte Schmerzempfindlichkeit des Darmes gegenüber mechanischen Reizen ist ein sehr sensitives, weniger spezifisches Zeichen des Reizdarmsyndroms. Je nach Charakter der Schmerzen und der Stuhlgewohnheiten spricht man auch vom spastischen Kolon.

bottles-309391_1280RDS ist also ein Ausschlusskriterium, welches erst ganz zum Schluss gestellt wird. Das ist meiner Erfahrung nach leider nie der Fall – viel eher werden 2-3 Untersuchungen gemacht, und wenn die nichts bringen wird direkt RDS zur Sprache gebracht. Viele finden sich dann mit den Symptomen ab (und meiden bspw. gewisse Dinge); bei mir war es leider so das die Symptome so heftig waren das sie mich mehrfach ins Krankenhaus brachten. Von diesen wurde ich allerdings nach der Routineuntersuchung wieder nach Hause geschickt, weil man dort nix fände – vollgedröhnt mit Schmerz- und Entspannungsmittelchen ging es mir dann akut auch relativ erträglich. Das hielt leider nur einen halben Tag, eben so lange wie die mir verabreichten Medikamente wirkten. Wirklich gekümmert hat sich um mich damals keiner, schließlich hatte ich ja schoneinmal eine Diagnose: Reizdarm. Ich wurde erst wieder ein wenig mehr untersucht nachdem ich vor Erschöpfung gesagt hatte das ich vor den Zug springe wenn sie nichts unternehmen, zu dem Zeitpunkt war ich schon 24 Stunden unter Schmerzen wach. Leider wieder nur unzureichend – nun wurde es komplett auf meine Psyche geschoben, mit der ich tatsächlich zu kämpfen hatte, und ich wurde mit hohen Dosen Antidepressiva und Benzodiazepinen gefüttert. Die Symptome verschwanden, die Ursache leider nicht, weswegen ich von den Medikamenten lange nicht mehr los kam.

Für mich sind das Indikatoren für unser kaputtes, oder besser gesagt ‚defektes‘, Gesundheitssystem. Der Mensch wird nie ganzheitlich betrachtet, sondern häufig nur in Teilen, es werden Möglichkeit und Notwendigkeit bei einer Indikation häufig verwechselt. Ein RDS zu diagnostizieren ist ziemlich schnell möglich, weitere Untersuchungen teuer und aufwendig – und dann wird was übersehen. Zumindestens wird relativ gut drauf geachtet potenziell tödliche Diagnosen auszuschließen – ein Anfang.

anatomy-160524Inzwischen habe ich, nach 3 Jahren, vermutlich (bessergesagt hoffentlich) das richtige Ergebnis: Zöliakieinduzierte Unverträglichkeiten mit gleichzeitiger Störung der Darmflora, letzteres vmtl. durch Antibiotika. Hört sich so ekelig an wie es sich anfühlt. Herausgefunden hätte man das durch Biopsien, da ich sowieso Spiegelungen hatte hätte man das relativ einfach machen können. Hätte allerdings Kosten fürs Labor verursacht, ich nehme an das war der Grund wieso es nicht gemacht wurde.

Was viele nicht wissen und ich nicht wusste ist, wie heftig Unverträglichkeiten ausfallen können. Die meisten denken bei dem Wort eher an Durchfall oder ‚einfache Übelkeit‘ und Bauchschmerzen. In meinem Fall waren es tägliche Koliken mit beinahe-Kreislaufkollaps, ähnlich wie bei einer allergischen Reaktion. Helfen tut mir nun schlussendlich eine glutenfreie Ernährung sowie eine Darmkur mit Bakterienstämmen (an diesem Punkt kann ich dieses Mittelchen wärmstens empfehlen). Leider wird das von den Krankenkassen nicht übernommen, obwohl die Wirksamkeit längst bewiesen ist und es keine wirkliche Alternative dazu gibt.

Sehr viele Leute haben Magendarmbeschwerden, wirklich darum bemühen diese zu klären tun sich meinem Gefühl nach jedoch leider nicht viele, und wenn, dann sehr selektiv. Dabei müsste man gerade beim Magendarmtrakt viel allumfassender herangehen, da die Störung quasi überall herkommen kann. Leider geschieht das aber nur selten, vorallem wenn es sich „nur“ um leichte Unverträglichkeiten handelt. Dabei ist unser Verdauungstrakt häufig der erste Ort der sich deutlich meldet wenn irgendetwas nicht stimmt, seie es nun Stress oder doch Krebs. Natürlich ist es jedem selbst überlassen wie er oder sie mit seinem/ihrem eigenen Körper umgeht. Ich finde nur das es vielen Menschen viel zu wenig bewusst ist, wie viel ein gesunder, wohlfühlender Körper Wert ist.

   

(Achtung, nun kommt eine unpolitisch formulierte Meinung)

shana2Unverträglichkeiten sind nicht umsonst eine in unserer Gesellschaft stark zunehmende Krankheit. Wer behauptet das man dagegen nichts tun könnte ohne das individuell medizinisch gut fundiert klarstellen zu können ist entweder Naiv oder ein Lügner. Die meisten Unverträglichkeiten sind zurückzuführen auf veränderbare Dinge wie schlechter Ernährung, Krankheiten oder deren Nachwirkungen, Medikamentennebenwirkungen bzw. -nachwirkungen oder psychischem Stress welcher auf den Körper schlägt. Sowas zu behandeln ist meist kompliziert und die Diagnose häufig nicht einfach, aber meineserachtens absolut notwendig. Wenn man nicht weiß was dem Körper schadet tut es das immer und immer weiter. Das spült im Endeffekt häufig eine Menge Geld in die Kassen der Pharmakonzerne da der Mensch immer kränker wird und bloß mehr und mehr Symptome behandelt werden, hilft jedoch dem Individuum nicht. Mein Rat also: bleibt am Ball, sucht euch Ärzte die sich wirklich um euch kümmern und nicht bloß um einen Patienten und lasst euch ganz genau erklären was es alles für Optionen gibt, nicht bloß jene die der Arzt gerade vorschlägt. Ein „unheilbar“ solltet ihr erst akzeptieren wenn wirklich keine Frage oder Möglichkeit mehr offen ist.

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One comment

  • moppi on 21. Dezember 2014 at 07:17 said:

    ich hab einen zu schwachen magen muskel :\ muss jeden tag nur eine tablette nehmen. damit ich nicht den ganzen tag starkes sodbrennen hab. und man kann nichts dagegen machen ausser das ich tabletten schluck 🙁

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