Privatssphäre im Internet: Grundlegende Tools

Heute einen längeren Blogeintrag über Privatssphäre im Internet.

Grundlegend ist es heutzutage zu einer kleinen Kunst geworden, Herr über die eigenen Daten zu bleiben. Längst gibt es Algorithmen die aus scheinbar unwichtigen sogenannten Meta-Daten die wertvollsten Informationen über jede Person kalkulieren. Die unangefochtenen Meisterdatenkraken sind dabei Facebook, Microsoft und Google als Platzhirsch. Hier ein paar (teils sehr einfache) Dinge die jeder bei sich eingerichtet haben sollte um sich seine Privatssphäre zu erhalten und nicht vollständig gläsern zu werden.


Richtiger Browser: Firefox / Iceweasel

Zuallererst: natürlich ist auch Firefox nicht frei von Murks. Neben Chrome, welcher am liebsten gleich den ganzen Benutzer einsaugen und durch die Leitung quetschen wollen würde, und

Firefox (Quelle: Mozilla.org)

Internet Explorer / Edge ist er jedoch immernoch die beste Wahl wenn man aufpasst was man ihm erlaubt.

Wer unter Linux unterwegs ist kann auch den angeblich weniger plauderhaften Iceweasel benutzen (Standardbrowser unter Debian). Wer Firefox benutzt sollte darauf achten im Menü (die drei Striche oben rechts) unter Einstellungen –> Erweitert –> Datenübermittlung den Firefox Statusbericht abzuschalten. Desweiteren solltet ihr niemals Passworter in Firefox oder irgendeinem anderen Browser speichern lassen, da das ein begehrtes und alzu offensichtliches Angriffsziel ist wenn man eure Passwörter stehlen will.


Wichtige Browser-Addons: Ghostery, Adblock Plus, Force HTTPS, DuckDuckGo

Das sind, meiner Meinung nach, die vier wichtigsten. Bekannte Begleiter wie NoScript lasse ich hier aus, da diese durchaus auch mal eine ganze Webseite zerschießen können und die hier vorgestellten das nötigste abdecken.

Ghostery (Quelle: ghostery.com, by Evidon Inc.)

Ghostery: Ein mächtiges Addon welches vorallem sogenannte „Tracker“ blockieren kann. Wenn ihr es installiert könnt ihr auswählen was alles blockiert werden soll – ich persönlich habe alles blockieren lassen. Sollte ein Teil einer Webseite deswegen später nicht laufen (meistens Videos) könnt ihr es durch einen Klick auf den blauen Geist oben links im Browser zeitweise deaktivieren. Wenn ihr ein wenig drauf achtet wird euch auffallen wie häufig „Google Analytics“ auf Seiten eingebettet ist. Ich nenne es auch lieb „das Geschwür des Internets“.

Aufpassen: Wenn ihr alles abschaltet bedeutet das manchmal auch das gewisse Funktionen der Webseite deaktiviert werden – auf der Seite meines Blogs sind das der Twitter Button und die Avatare der Kommentatoren (Gravatar). Wenn ihr diese Dinge sehen wollt könnt ihr einzelne Tracker manuell wieder aktivieren.

607454-64uBlock OriginAnders als das bekannte Adblock Plus bremst uBlock Origin euren Browser deutlich weniger aus. Desweiteren steht dahinter so weit ich weiß keine Firma mit kommerziellem Interesse. In Adblock gab es eine riesige Diskussion darum das sie „nicht aufdringliche Werbung“ standardmäßig erlaubten, was auf gut Deutsch hieß das Drittfirmen Geld dafür bezahlten damit Adblock Plus sie nicht automatisch blockierte. Das kann man zwar abschalten, aber der Skandal war längst bekannt.

Force HTTPS: Dringend empfohlen. Dieses Addon sorgt dafür das jede Internetseite im Internet über eine verschlüsselte Verbindung geladen wird. Leider hat das bei Internetseiten die kein oder nur ein selbstsigniertes Zertifikat besitzen (so wie ich) zur Folge das eine Fehlermeldung angezeigt wird die man wegklicken muss. Das ist aber nur auf den wenigsten Internetseiten der Fall und nicht sonderlich störend.

DuckDuckGo: Ebenfalls empfohlen, auch wenn es wohl mitunter die größte Umgewöhnung erfordert. DuckDuckGo ist eine alternative Suchmaschine zur Google Suche. Wie sich jeder von euch denken kann speichert Google selbstverständlich auch das was ihr sucht, wie ihr sucht, auf welche Seiten ihr im Endeffekt klickt und (sofern diese Seite Google Analytics hat) natürlich auch was ihr von dort aus wiederrum macht. DuckDuckGo setzt am Anfang an: Da ihr direkt eine andere Suchmaschine benutzt fallen Google oder dritten gar nicht erst weitere Daten in die Hände. Anders als Google ist die Ente dafür bekannt keinerlei Metadaten zu speichern und Cookies nur im Notfall zu benutzen.


Die eigene Cloud

ownCloud (Quelle: gitorious.org)

Sie sind unglaublich praktisch, diese Clouds. Das blöde ist nur das sie durch die Marktmacht der oben genannten Datenkraken quasi immer von ebenjenen kommen. Es gibt allerdings eine wunderbare Alternative: Owncloud.

Owncloud ist eine PHP basierte Cloud die ihr auf quasi jedem beliebigen Webspace installieren könnt. Kleiner Nachteil: Damit ihr Kalender und Kontakte eures Handys synchronisieren könnt müsst ihr 3-4€ investieren (aber es lohnt sich!).

HIER könnt ihr die Software herunterladen. Zum installieren auf dem Webspace gibts dort ebenfalls eine Anleitung – falls ihr einen Linux root Server benutzt empfehle ich die Benutzung der auf der Seite zu findenden repos. Die Software zum Synchronisieren der Daten eures PCs und Smartphones mit der Cloud findet ihr dort ebenfalls.

Um Kalender und Kontakte vom Smartphone zu synchronisieren müsst ihr in der fertig installierten Cloud zuallererst die entsprechenden Addons aktivieren. Dazu geht ihr oben links ins Dropdownmenü und wählt den Punkt „(+) Apps“. Unter dem Stichpunkt „Productivity“ findet ihr die Addons „Contacts“ und „Calendar“ und könnt sie aktivieren.

Das Synchronisieren dieser beiden Punkte geht leider nicht über die Owncloud App auf dem Smartphone die lediglich für den Zugriff auf die Daten gedacht ist, dafür braucht ihr zwei extras: CardDav und CalDav. CardDav synchronisiert eure Kontakte mit der Cloud, CalDav den Kalender. Ich habe hier jetzt die Androidversionen verlinkt, im Apple Store solltet ihr unter demselben Namen die iOS Pendants finden.

Die Einrichtung funktioniert bei beiden gleich: Ihr öffnet die App und wählt „Neues Konto hinzufügen“ aus, falls er euch nicht direkt fragt. Dort dann CalDav / CardDav aus der Liste auswählen. Im folgenden Fenster fragt er euch nach einer Adresse die ihr in der Cloud unter

Menü oben links –> Kalender / Kontakte –> Zahnrad unten links

findet. Bei den Kontakten müsst ihr zusätzlich beim Adressbuch „Kontakte“ auf den mittleren der fünf Symbole klicken. Falls ihr den Link nicht vollständig lesen könnt kopiert ihn in ein leeres Word Dokument und tippt ihn dann aufs Smartphone ab.

Dann noch die Anmeldedaten eingeben und auf Okay klicken!

Für Android User: Ihr habt, falls ihr das noch nicht wusstet, auf eurem Gerät mehrere Kontakt- und Kalenderbibliotheken. Bei den Kontakten bspw. jene auf der SIM, auf dem Telefon, ggf. eurem Google Account und nun noch CardDav. Ihr müsst all‘ eure Kontakte und Kalender in die CardDav / CalDav Bibliotheken kopieren. Bei geht das für die Kontakte per Dropdowntaste –> Importieren/Exportieren, Beim Kalender ist es am einfachsten den Standardkalender auf CalDav zu stellen und fortan dort die neuen Eintragungen zu machen.


Instant Messenger

Leider haben auch bei den Messengern wie WhatsApp, Skype und natürlich dem Facebook Chat

Jitsi Logo (Quelle: Jitsi.org)

die Großen ihre Finger im Spiel. Jedes Wort, Bild und Datei die ihr darüber sendet landen in ihrem System und werden automatisch auf ihren Inhalt hin ausgewertet, damit ein noch genaueres Persönlichkeitsprofil erstellt werden kann. Ich benutze hier als Alternativen Threema sowie Jitsi (Jabber / XMPP).

Die Einrichtung von Threema ist denkbar einfach, ich denke dafür benötigt es meinerseits keine Erklärung.

Jitsi ist ein äußerst leistungsfähiger Messenger der sich des XMPP Protokolls bedient. Er kann alles was Skype kann und noch mehr (wie bspw. Vollverschlüsselung der Chats, VoIP und Camchat / Konferenzen usw.) – auch wenn er in der derzeitigen Version 2 nicht unbedingt hübsch aussieht. Soll glücklicherweise noch gepatcht werden. 😉

Um euch bei Jitsi anzumelden benötigt ihr einen XMPP Account. Ich habe meinen auf jabber.de, einem Server der als sicher gilt. Dort unter Anmeldung einfach registrieren, dann Jitsi starten und euch im beim Erststart auftauchenden Fenster für XMPP / Jabber oben rechts einloggen.


Das soll für heute reichen. 😉 Das nächste mal kommt vllt. ein Artikel über den Umstieg auf Linux Mint. Habt ihr Fragen, Tipps oder einfach eine Meinung zum kund tun? Lasst mir einen Kommentar da! 🙂

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Posted under: Gesellschaft, Heimcomputer, Sicherheit, Technik

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