Pseudomedizin Homöopathie

Eine kleine Einführung in die Nr.1 der Esoterik.


Homöopathie (Altgriechisch: hómoios „Gleichartig“, pathos „Leid, Schmerz“) ist eine von Samuel Hahnemann um 1810 begründete Form der Behandlung von Krankheiten und Gebrechen. Er stellte dabei die These auf das man Krankheiten nach dem Ähnlichkeitsprinzip behandeln kann. Wer also beispielsweise unter Magenschmerzen leidet soll durch einen speziell bereitetem Stoff, welcher unverdünnt ebenfalls Magenschmerzen verursacht, geheilt werden.

Bachblüten. Ebenso effizient wie Homöopathie, jedoch weniger beliebt.

Bachblüten. Ebenso effizient wie Homöopathie, jedoch weniger beliebt.

Er nahm also verschiedene Stoffe und „potenzierte“ sie, wie er es nannte. Dabei löste er sie in Wasser oder Alkohol auf und verdünnte dieses Gemisch immer stärker, wodurch die Wirkung erhöht werden sollte. Zu Anfang verdünnte er sie nur so weit das die meist giftigen Inhaltsstoffe nicht mehr gefährlich waren (niedrige Potenzen), später jedoch immer mehr (Hochpotenzen). Hohe Potenzen wie etwa D30 sind dabei in einem Verhältnis von 1:1 Quintillion (30 Nullen) verdünnt. Das entspricht einem Molekül des Wirkstoffs auf das Volumen von 50 Erdähnlichen Planeten. Es ist also quasi kein Wirkstoff mehr pro Flasche vorhanden.

Als Erklärung hierfür führte er die Vermutung an, das sich die „Materie roher Arzneisubstanzen zuletzt gänzlich in ihr geistiges Wesen auflöste“ (Q.). Einfach formuliert ging er also davon aus, das Stoffe eine Art Gedächtnis oder gar Geist hätten, und dieser in den „hochpotenzierten“ Homöopathika gespeichert seie. Durch Zuführung dieser „informierten“ Mittel soll der Körper dazu angereizt werden etwas gegen das Leiden zu tun, dessen Information er bekäme.

Das Prinzip der Homöopathie wurde seit Hahnemann nie grundlegend verändert. Trotz fortschreitendem Wissen im Bereich der Chemie, Biologie und Physik beruhen auch heute noch die Annahmen der Homöopathie auf dem Gedächtnis oder Geiste der Stoffe. Die Bandbreite von Mitteln hat sich allerdings dank experimentierfreudiger Homöopathen massiv erweitert. So gibt es inzwischen bspw. nicht nur „Nux Vomica“ (Brechnuss. Gegen Übelkeit) oder „Arnica“ (Arnika. Gegen Verletzungen aller Art), sondern auch „Excrementum caninum“ (Hundekot. Gegen Schlaflosigkeit) oder sogar „Uranium nitricum (Uran. Anwendungsliste). Gut, den Hundekot könnte man noch durchgehen lassen, immerhin ist der Nutzen einiger Stoffe aus Ausscheidungen nachgewiesen. Doch bei radioaktiven Stoffen sollte jeder gebildete Mensch wissen das es eine wirklich blöde Idee ist das zu sich zu nehmen.

Einige verwenden Homöopathie sogar in Notfallen - ein fataler Fehler.

Einige verwenden Homöopathie sogar in Notfällen – ein fataler Fehler.

Trotz erschöpfender wissenschaftlicher Nachweise (Artikel darüber z.B. hier und hier) über die Wirkungslosigkeit von Homöopathie glauben immer mehr Menschen an ihre Wirkung. Immer wieder hört man das Argument „Was hilft hat recht“. Wenns danach geht helfen allerdings auch Geistheiler durch Handauflegen oder Bachblüten. Argumentativ liegt es nahe am „Aber ich sehe die Streifen doch!“ von Chemtrail-Gläubigen.

Beweisen tut das alles meiner Ansicht nach nur eines: Die Macht des Glaubens. Jeder stark religiös gläubige Mensch kann bestätigen wie viel Macht hinter dem Glauben steckt. Das körperliche Leiden durch Glauben und intensive Erfahrungen gelindert oder sogar geheilt werden können ist wissenschaftlich längst Konsens. Das faszinierende an der Homöopathie ist, das sie im Grunde ein Träger ist für den Wunsch nach Heilung. Der Evidenzbasierten Medizin (Der Begriff „Schulmedizin“ wurde gern durch die Nazis benutzt, daher nutze ich ihn nicht) fehlt der Glaube – es geht rein um Kosten-/Nutzenberechnung, um erkennen des Leidens und oft nur symptomatischer Behandlung. Der Mensch im Körper geht dabei völlig unter. Genau hier setzt die Homöopathie an. Das die Theorie hinter dem System wissenschaftlicher Unsinn ist wird dabei beinahe schon zweitrangig. Manche Leiden befinden sich irgendwo zwischen Seele und Körper (speziell chronische). Die Evidenzbasierte Medizin unterteilt Körper und Psyche für gewöhnlich sehr harsch, weswegen allein schon das Gefühl endlich „ganzheitlich“ betrachtet und geholfen zu werden bereits den Stein ins Rollen bringt. Der Glaube an die Globuli erledigen den Rest. Dieser Effekt funktioniert auch bei Tieren.

shana2Das Homöopathie rein biochemisch betrachtet keine Eigenwirkung haben bedeutet nicht, das man nichts von ihnen lernen könnte. Meiner Meinung nach sollte man dabei aber genau darüber reflektieren, was genau man da lernen kann. Leider schaffen viele den Spagat zwischen rationaler Beobachtung, psychischer Selbstreflektion und Spiritualität nicht, vermischen es und schreiben auf einmal Zuckerkügelchen magische Eigenschaften zu wie jemand im 18. Jahrhundert. Dabei geht leider die notwendige Frage unter, wie es in unserer aufgeklärten Gesellschaft dazu kommen kann das sich immer mehr Menschen von der Evidenzbasierten Medizin abwenden und stattdessen jemanden aufsuchen der eine irrationale Behandlung durchführt.

Wären mehr Ärzte mit mehr Zeit und Empathie vorhanden als jetzt wäre die Homöopathie schnell dort wo sie rational betrachtet hingehört. Irgendwo zwischen Bachblüten, Impfkritik und Chemtrails.

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